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  • Lisa

Dinge, die du niemals zu einer psychisch kranken Person sagen solltest

Wie soll man ein Feingefühl für psychisch kranke Menschen bekommen, wenn so selten über psychische Gesundheit gesprochen wird? Wie soll die Stigmatisierung psychischer Krankheiten beendet werden, wenn nicht mal Ärzte und Ärztinnen die nötige Sensibilität beigebracht bekommen.


Als ich das erste Mal bei einem Psychotherapeuten saß, war ich grade nach Köln gezogen und hatte Monatelang mit extremen Schwindel zu schaffen. Ich ging, bzw. schwankte, von Facharzt zu Facharzt. MRT, Gehörtest, Langzeit EKG, Blutbild, alles unauffällig. Und immer wieder landete ich bei dem Satz: „Vielleicht ist es ja psychosomatisch!“. Doch ich wollte es nicht wahr haben. Bis ich dann in der sehr dunklen Praxis eines Psychotherapeuten, auf einem unbequemen, übergroßen Sessel saß. Und siehe da, es war psychosomatisch. Endlich hatte ich die Erklärung und endlich war der Brummschädel weg. Doch ich habe mich regelrecht dafür geschämt. In der Werbeagentur, in der ich damals Praktikum machte, erzählt ich irgendwas von Osteopathie und dass da irgendwas eingeklemmt war. Wunderheilung über Nacht, thank you Jesus. Dabei waren es fünf Gespräche mit einem Therapeuten und Einsicht, die mich geheilt hatten.

Einige Jahre später saß ich zum zweiten Mal bei einem Therapeuten. Diesmal in Berlin und wieder auf einem sehr unbequemen Stuhl. Und ich hatte regelrecht Angst, dass meine Eltern rausfinden könnten, dass ich zur Therapie gehe. Heute weiß ich, dass man verdammt stolz darauf sein kann, diesen Schritt zu machen. Etwas, das ich auch erst durch Therapie gelernt habe, denn unsere Gesellschaft ist sehr gut darin, einem beizubringen, dass etwas nicht stimmt, wenn jemand zur Therapie geht. Dabei sollte eigentlich jeder Mensch mal Therapieerfahrung sammeln, schaden würde es sicherlich nicht...


Mittlerweile gehe ich recht offen mit meiner psychischen Gesundheit um. Aber manchmal reagieren Leute, wenn auch gut gemeint, falsch. Deswegen hier eine kleine Sammlung an Dingen, die man zu niemanden sagen sollte, dem es psychisch nicht gut geht:


"DU machst Therapie? DU??!!" / "Diagnose X... Du? Ne, das sehe ich gar nicht bei dir!"

Du sprichst grade mit einem Menschen, der sich dir öffnet, sagt, dass er/sie zur Therapie geht, vielleicht sogar, welche Diagnose gestellt wurde. Und du, der/die wahrscheinlich nicht vom Fach ist und vielleicht nicht mal ansatzweise weiß, wie es der Person wirklich geht, wagt es, die Diagnose und das Leid zu bezweifeln?!


"So Tage hat doch jeder" / "Das kennt doch jeder!"

Jeder hat schlechte Tage, klar. Aber niemand weiß, wie es im Gegenüber wirklich aussieht! Hat die Person beschissen geschlafen, weil er/sie Zahnschmerzen hatte oder hat die Person seit Wochen nicht mehr richtig geschlafen, weil er/sie nachts von Flashbacks aus dem Schlaf gerissen wird?!


"Lach doch einfach mal!" / "Stress dich mal weniger!" / "Komm mal runter!"

Mensch, da hätte ich doch selber drauf kommen können! Stattdessen habe ich Monate lang auf eine Therapiestelle gewartet, mehrere Therapeuten und Therapeutinnen kennen gelernt, bis ich den/die richtige gefunden habe, meinem Arzt/meiner Ärztin von meinen Problemen erzählt und setze mich jetzt jede Woche mit den dunkelsten Ecken meiner Seele auseinander. Ich Idiot!


"Ich habe einen Freund der hat was viel krasseres" / "Aber hey, es könnte schlimmer sein!"

Nein, behalt es einfach für dich, lieb gemeint, aber damit nimmst du es dir grade raus, das psychische Leid deines Gegenübers zu werten. Du gehst auch nicht zu Menschen, die an Krebs erkrankt sind und sagst "Ey, aber du hast ja nur eine Form von Krebs, stell dir mal vor, du hättest mehrere Krebsarten!"


"Aber du bist ja high functioning!"

Wie oft habe ich das schon gehört... An Tagen, an denen ich zum Sport gegangen bin, weil es das einzige war, das mir Halt gegeben hat, auf der Arbeit war, um mich acht Stunden lang abzulenken, obwohl ich eigentlich am liebsten in einem Erdloch liegen würde. Auch depressive Menschen lachen, auch essgestörte Menschen essen und Menschen mit Suizid Gedanken leben ihr Leben weiter, ohne dem Gedanken nachzugehen.

Was ihr stattdessen sagen könnt

- "Ich bin für dich da. Du bist nicht allein."

- "Es ist okay, dass es grade nicht okay ist."

- "Gibt es irgendwas, was ich für dich tun kann?"

- "Darf ich dich umarmen? Falls nicht, ist auch okay."

- "Willst du, dass ich irgendwas dazu sage, oder willst du, dass ich dir einfach zuhöre?"

- "Danke, dass du dich mir anvertraust! Es tut mir Leid, dass es dir so geht. Kann ich dir bei irgendwas helfen?"


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