• Lisa

Marokko

Anderthalb Monate Marokko, irgendwas zwischen 2.000 und 3.000 KM, zahlreiche Höhenmeter und noch mehr Erlebnisse, die kaum in Worte zu fassen sind. Der Versuch einer Zusammenfassung:


Die ersten Tage in Marokko waren anstrengender als sonst. Ich finde mich eigentlich immer schnell in neuen Kulturen zurecht und komme direkt an. Die Begegnungen mit Marokkanern in der Stadt Tanger hatten mich jedoch etwas irritiert und die erste Etappe auf einer riesigen Straße, mit zahlreichen LKWs, einem winzigen Seitenstreifen und extremen Seitenwind, ließ mich etwas verunsichert zurück. Doch mit den ersten Freudentränen beim Anblick des Rif-Gebirges war jegliche Sorge vergessen. 


Es ist irgendwie faszinierend, wie schnell man rauskriegt, wie der Hase läuft und wie schnell sich das anfangs fremde Land anfühlt, als wäre man auf einer altbekannten Radstrecke Zuhause unterwegs. Es war das erste Mal, dass ich so tief in ein Land eingetaucht bin, dessen Kultur und Religion mir absolut fremd ist. Der Ruf des Muezzin - fünf mal am Tag, Männer, die an beiden Händen eine Ehefrau halten, Frauen, die komplett verschleiert sind, Frauen, die komplett normal (nach westlichen Standards) gekleidet sind. 


In den abgelegenen Dörfern des Atlasgebirges traf ich auf Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher von meinem hätten sein können. Sie, in traditioneller Kleidung, teils verschleiert, auf Eseln, auf dem Weg zur Gartenarbeit in der Oase. Ich, auf einem 2.000€ Drahtesel, in kurzer Hose, das Leben in drei Taschen gepackt, auf einer Reise, um die Welt zu erkunden. Und dennoch gab es eine unsichtbare Verbindung. Ein gegenseitiger Respekt für die jeweilige Art zu leben und pure Freude, sich zu sehen. Es waren zwar nur Sekunden, in denen wir uns entgegen geritten/gefahren sind, in denen wir uns zugewunken und zugegrinst haben, aber genau das sind Momente, die ewig in meinem Herzen bleiben werden.


Die Begegnungen mit Männern waren für mich entweder absolut motivierend oder komplett demotivierend. Die Männer gaben mir entweder das Gefühl, dass sie Unmengen an Respekt und Bewunderung für das was ich mache haben, oder dass ich ein Fehler in ihrer patriarchalen Matrix bin. Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man die wertenden Blicke auf der nackten Haut seiner Beine regelrecht spüren kann. Im Kontrast dazu das unfassbar tolle Gefühl, wenn Männer hupend an einem vorbei fahren und dabei thumbs up geben. Wenn man der lebendige Beweise dafür sein kann, dass Frauen mehr sind als Brutkästen und Backöfen.


Und dann ein globales Phänomen - die pure, vorurteilsfreie Freude in den Gesichter von Kindern, die ihre Neugierde kaum verbergen können und vor Freude schreiend zum Straßenrand rennen, ihre kleinen Hände ausstrecken, damit man sie im Vorbeifahren abklatscht. Fast jeden Tag gab es diese Momente, in denen Kinder mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten.


Die Schönheit des Landes ist schlichtweg schwer in Worte zu packen, deswegen gibt es hier ein paar Bilder ;-)



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