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  • Lisa

Schnaufen und staunen

Nach drei Tagen Pause sitze ich um 6:30 auf dem Fahrrad und verlasse die Altstadt Popayáns. Die Grenze zu Ecuador ist mittlerweile ausgeschildert und es dauert nicht lang, bis ich weiß, dass es kein Zuckerschlecken wird.


Schon um acht Uhr morgens sind es über 30°C und die Sonne knallt mir pausenlos auf den Kopf. Vor mir liegen endlos scheinende Berge, die ich mich mit fünf kmH hoch kämpfe. Doch die Strapazen können noch so groß sein, was mir an Ausblicken und Landschaft geboten wird, ist atemberaubend. Mutter Natur zeigt sich von ihrer absoluten Schokoladenseite.


Ich höre einen Podcast nach dem nächsten, denke nach, reflektiere und versuche mich mental bei Laune zu halten. Acht Stunden am Stück mit fünf bis sieben KmH bergauf zu fahren, kann wirklich an den Nerven zehren. Doch es sind die kleinen Momente die in mir eine Art Motivationsexplosion auslösen. Momente, wie die Kinder, die in einem Dorf jubelnd an die Straße rennen, um mir High Fives zu geben. Oder der LKW Fahrer, mit dem ich mich an einem Rastplatz unterhalte, der mir verspricht auf seiner Rückfahrt Ausschau nach mir zu halten. Der am nächsten Tag tatsächlich hupend auf der Gegenfahrbahn, halb aus dem Fenster hängend, "HOLA CHICA" brüllt und mich mit einem Hupkonzert anfeuert. Oder der alte Mann, mit der braunen, faltigen Haut und dem riesigen Strohhut, der mir respektvoll zu nickt und den Daumen hoch streckt.


Genau diese Momente füllen mein Herz so sehr mit Freude, denn für den Moment fühlt es sich nicht so an, als sei man sich fremd. Für den kurzen Augenblick in dem ich an diesen Leuten vorbei fahre, verbindet uns etwas. Und genau diese Freude lässt mich vergessen, dass meine Beine weh tun und mein Sitzfleisch brennt. Und irgendwann kommt man ja oben an. (Um dann bergab und wieder bergauf zu fahren).


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